So könnte die Taxi-Branche Uber trotzen

In Berlin gibt es derzeit etwa 8.000 konzessionierte Taxis, die in 3.000 Taxi-Unternehmen und mehrerenVerbänden aufgeteilt sind. Die Hauptstadt ist wichtiger Dreh- und Angelpunkt für Tourismus und Wirtschaft in Europa, was sich in der hohen Taxidichte pro Einwohner niederschlägt. Von Tegel bis Schönefeld und darüber hinaus, vor allem aber im Stadtzentrum gibt es zu jeder Tageszeit Tausende Taxifahrer, die pro Tage mehrere Zehntausend Fahrgäste transportieren. Laut der „Untersuchung zur Wirtschaftlichkeit des Taxigewerbes in der Bundeshauptstadt Berlin“, erstellt für die Senatsverwaltung für Sttadtentwicklung und Umwelt im Jahr 2016,liegt der Nettoerlös pro Taxifahrzeug in Berlin jedoch deutlich unter dem von Städten in Süddeutschland wie beispielsweise Ulm, Fulda oder München. Im Schnitt erwirtschafteten die Taxiunternehmen in Berlin in den Jahren 2012 bis 2014 nur etwa 54.300 Euro pro Fahrzeug.

Trotz dieser geringen Nettoausschüttung ist der Berliner Taximarkt sehr dicht belegt. Zu den vielen Akteuren gesellt sich jetzt auch ein neues Großunternehmen aus Nordamerika hinzu. „Uber“ drängt auf den europäischen und vor allem jetzt auch auf den deutschen Markt. Das Unternehmen beginnt in Berlin, wo die in Verbänden organisierten Taxifahrer scharf gegen die Konkurrenz aus dem Ausland protestieren. Im Juni demonstrierten mehrere Hundert Taxifahrer vor der Senatsverwaltung fürUmwelt, Verkehr und Klimaschutz gegen die Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos/für die Grünen) und forderten auch ein Verbot von Uber. Auf einigen Schildern stand: „Stoppt den Wild-West von Uber und Co!“

Tatsächlich steht Uber im Zugzwang und machte im zehnten Jahr seines Bestehens knapp 5,2 Milliarden Dollar Quartalsverlust. Auch an der Börse ist die Bilanz unter dem Strich negativ, was den Uber-Chef Dara Khosrowshani in Bedrängnis bringt. Dieser träumte von einer global agierenden Mobilitätsfirma, die von Peking bis New York Menschen durch den simplen Klick in einer App von A nach B transportiert. Uber musste sich jedoch in den letzten zwei Jahren aus China und Indien zurückziehen und kann auch auf dem Kontinent keine großen Erfolge verbuchen. Denn das Unternehmensprinzip von Uber funktioniert beispielsweise in Deutschland nicht. Während in den USA fast jeder, ungelernt und ohne Lizenz seine Dienste als Fahrer über die App anbieten konnte, machte das Oberlandgericht Frankfurt der „UberPop-App“ 2016 einen Strich durch die Rechnung und verbot sie. Zwei Jahre später startete Uber den zweiten Anlauf in Großstädten wie Berlin und verspricht laut Wirtschaftswoche, dass Fahrer „sozialversicherungspflichtig angestellt“ sind und „deutlich über dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn“ verdienen. Die Recherche der Wirtschaftswoche legt nahe, dass Uber hier nicht ehrlich ist und die Mitarbeiter als „Partner“ beim Anbieter auch ohne Lizenz weiterhin möglich ist. Wirklich durchstarten kann Uber in Deutschland offensichtlich nicht, obwohl es sich auch als grüne und elektromobile Alternative auf dem Markt etablieren will.

Taxi demo in Berlin

Umso problematischer ist der Markt in Berlin für Uber, weil die hiesigen Taxipreise von der Senatsverwaltung und der Verkehrssenatorin planwirtschaftlich festgelegt werden. Eine Erhöhung um 30 Cent auf 2,30 Euro pro Kilometer innerhalb der ersten sieben Kilometer  und weitere Erhöhungen stehen in Aussicht.  Taxiunternehmen stehen unter einem ungeheuerlichen Regulierungsdruck durch den Senat,welche auch die Preise nicht mit Angebot und Nachfrage bestimmt, sondern durch „Expertenrunden“ ermitteln lässt.

In Berlin und anderen Standorten in Deutschland ist kaum Platz für den neuen Konkurrenten, der sich gegen die deutsche Bürokratie und etablierte Spieler auf dem heimischen Markt durchsetzen muss. Aber auch die etablierten Taxiunternehmer haben kaum Freiraum, um sich zu entwickeln, sondern sind gefangen in einem Netz aus Überregulierung und Bürokratie.

Ferdinand Vogel