Berliner Wirtschaft leidet enorm unter Lockdown

Die Corona-Fälle in Berlin steigen nicht mehr allzu stark, die Pandemie scheint auf dem Rückzug. Doch die Folgen des viel zu harten Lockdowns werden wohl noch Monate, wenn nicht Jahre zu spüren sein. Für eine vom Tourismus und von Offenheit lebende Stadt wie Berlin bedeutet das nichts Gutes.

„In Berlin stieg die Zahl der Arbeitslosen auf 209.360, das waren 8.719 mehr als im Mai und 56.745 mehr als im Juni des vergangenen Jahres, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch mitteilte.“, heißt es in einem Bericht beim RBB, wo resümiert wird, dass die Arbeitslosigkeit in Brandenburg und Berlin deutlich höher liegt als im Vergleichszeitraum des letzten Jahres. Vor allem die Gastronomie und das Hotelgewerbe, aber auch alle daran hängenden Geschäftsmodelle wie der Einzelhandel und die Taxi-Branche leiden unter den Freiheitsbeschränkungen des Lockdowns.

Trotz sinkender Fallzahlen bleiben viele, die Kauflaune und die Reiselust hemmende Restriktionen bestehen. Das Hotelgewerbe in der Region Berlin ist stärker von den Auswirkungen des Lockdowns betroffen als Hotels in anderen deutschen Städten. Das geht zumindest aus einem Bericht des Berliner Finanzplaners Fairmas hervor, die die Zimmerbelegung im Berliner Hotelgewerbe auswertete. In Berlin ging die Auslastung vom 15. März bis zum 19. Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 71% Prozent zurück. Berlin belegt damit mit Abstand den letzten Platz. Städte wie München, Köln oder Frankfurt stehen 10-15% besser da.

Gähnende Leere am Flughafen Schönefeld, da keine Touristen nach Berlin kommen

Begründet liegt das vor allem in den Berliner Regeln des Senats. Seit März hat man hier für Touristen schließen müssen. Und obwohl die Touristen seit Ende Mai wieder willkommen sind, erschweren zusätzliche Hygieneregeln den Normalbetrieb und verursachen etliche Zusatzkosten. Häufiges Reinigen, Desinfizieren und eine alles erschwerende Belegungsgrenze sorgen dafür, dass die schwer angeschlagenen Hotelunternehmen, von denen etwa 70% Prozent in Berlin laut dem Präsidenten des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Berlin, Thomas Lengfelder, vor dem wirtschaftlichen Ruin stehen, sich nicht schnell und gut genug erholen können. Das wirre Corona-Regelchaos führt derweil zu solch seltsamen Auswüchsen wie dem Verbot von Buffets, dem Reservieren von Tischen mit langen Wartezeiten und einer allgemein eher gehemmten Service-Qualität. Urlaubsstimmung dürfte so bei vielen sowieso nicht aufkommen. Belastend wirken sich zusätzlich die finanziellen Zusatzkosten der City-Tax aus. Denn in Berlin zahlt man, wenn man als Tourist hier übernachten will, 5% vom Nettopreis drauf. Eine unnütze Steuer, die nur Besucher abschreckt, finden Parteien der parlamentarischen Opposition im Abgeordnetenhaus.

Und als Folge gähnende Leere beispielsweise im Sony-Center in Mitte

Neben der ungewissen Zukunft des Berliner Flughafen Tegels, dessen Schließung trotz gegensätzlichem Volksentscheid vom rot-rot-grünen Senat durchgedrückt werden soll, leiden auch die Fluggesellschaften selbst. Die Fluglinie Easyjet hat jüngst verkündet, dass man in Berlin Tegel und Schönefeld die Anzahl an Fliegern und Personal drastisch reduzieren will. 16 Flugzeuge und 738 Mitarbeiter sollen wegfallen. Allein bei diesem Unternehmen, nur eines von Hunderten  Berlin, werden also annähernd 1000 Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit entlassen. Für die Arbeitnehmer ein Schock und viele stellen sich mit Sicherheit die Frage, ob die Verhältnismäßigkeit des Lockdowns angesichts der dramatischen Auswirkungen für die Zukunft der Stadt und der Einwohner noch angemessen ist.

Gegen die Politik des rot-rot-grünen Senats regt sich auch Widerstand im Abgeordnetenhaus. Dort fordern einige der Oppositionsparteien nicht nur die Offenhaltung von Tegel, sondern auch einen Tourismus-Gipfel, um der schwächelnden, aber wichtigen Branche mit konkreten Maßnahmen wieder auf die Beine zu helfen – und damit der ganzen Stadt.

Ferdinand Vogel